Samstag, 24. Juli 2010

Einundzwanzigster Eintrag

Der erste Tag unseres Trips ist bereits rum. Gestern morgen verliessen wir mit unserer Kiste Zürich und fuhren runter in Richtung Süden. Zuvor haben Pedro und ich während den letzten paar Tagen noch einige Reparaturen durchgeführt. Die Baterie war, nun ja, so ziemlich im Arsch, der eine Scheinwerfer war defekt, die Motorhaube klapperte ständig und der ganze Camper hatte eine Reinigung mehr als nötig. Und dann ging's los. Runter ins Tessin, nach Lucarno, um genau zu sein. Die Suche nach einem Campingplatz gestaltete sich einiges schwieriger, als wir anfangs dachten, mit dem Resultat, dass wir allem Anschein nach die erste Nacht auf dem Parkplatz vor einer Camping-Anlage verbringen mussten und erst heute morgen reinfahren konnten.

Was macht man also aus einem bevorstehenden Abend, den wir auf einem Parkplatz zu verbringen verdammt schienen? Trinken, Schischa rauchen und kiffen. Eigentlich sind wir ja nicht sonderlich grosse Kiffer, aber die Kiffertypen, die uns den Camper verkauft haben, hatten in einer Schublade noch ein wenig Gras hinterlassen. Jedenfalls genug, um sich ein paar Joints damit zu drehen.

Der Abend begann jedenfalls ungefähr so. Wir machten es uns auf unseren Campingstühlen bequem und tranken auf uns, die Freiheit und auf alles, auf das sich sonst noch so trinken lässt. Hauptsache trinken halt. Wir waren nicht die Einzigen, die auf diesem Parkplatz gestrandet waren. Er war voller anderer Campingwagen und Wohnmobilen. Pedro tauchte dann irgendwann mit der Idee auf, dass wir doch ein wenig umherziehen und den Parkplatz nach Mädchen absuchen könnten. Mick war nicht sonderlich überzeugt davon und wollte es seinlassen und weitertrinken. Mir war es egal irgendwie. Aber Pedro wollte unbedingt und so gingen wir halt mit.

Die Idee war gar nicht so schlecht, wie sich bald zeigen sollte. Denn nur unweit unseres Campers erblickten wir zwei Mädchen, die uns allen auf Anhieb gefielen. Sie waren beide blond, schlank, gross gewachsen und offenbar Geschwister. Pedro, ganz in seinem Element, ging ohne irgendwelche Rückfragen auf sie zu und sprach sie an. Mick und ich folgten ihm im Schlepptau. Er lud sie ein, mit uns Champagner zu trinken und kam rasch mit beiden ins Gespräch. Aus Holland seien sie und mit den Eltern hier in den Ferien, erzählten sie. Sie erzählten noch so einiges, aber ich hatte irgendwie den Anschluss verpasst. Klar, Mick erzählte auch nicht sonderlich viel, er ist ja eher auch der ruhigere Typ. Nur ich, ich sprach fast gar nicht. Ich wollte zwar, aber konnte nicht. Die Jüngere der Schwestern, sie war 17-Jährig, gefiel mir. Und genau das war das Problem. Ich hatte schiss mit ihr zu sprechen, weil sie mir so gefiel und  naja, sie schien auch nicht sonderlich interessiert an mir zu sein, sondern viel mehr an Pedro. Die Art, wie sie ihn anschaute, verriet einiges. Ihre Blicke verrieten mehr, als ich wissen wollte und meine Laune war schon ziemlich bald irgendwo im Keller verschwunden.

Dann, es war wohl so gegen 23 Uhr, hatte Pedro die Idee, noch in die Stadt zu gehen, um dort irgendeinen Club aufzusuchen. Obwohl ich lieber hier geblieben wäre, ging ich mit. Nach einer Weile Fussmarsch landeten wir in einem merkwürdigen Schuppen, der sich nirgends wirklich einordnen liess. Die Wände waren verspiegelt und auf dem marmornen Boden standen überall Plastikpalmen herum. Kurzum; so einen geschmackslosen Club hatte ich bislang zuvor noch nie gesehen und auch die Musik war unterste Schublade. Ich glaube, es war Trance, das sie dort spielten. Aber wer bitte spielt heutzutage noch Trance?! Aber letztlich ist das auch egal. Jedenfalls schiss mich das alles an. Mich schiss der Club an, mich schiss die Musik an und mich schiss die Tatsache an, dass Pedro mit Lynn, so hiess sie, eng tanzte.

Ich spürte den Alkohol und bekam unheimliche Lust, ein Mädchen zu küssen. Da Lynn nicht an mir interessiert zu sein schien, versuchte ich mein Glück bei ihrer älteren Schwester. Ich wechselte einige Belanglosigkeiten mit ihr und wollte mit ihr tanzen, doch sie machte keine Anstalten, darauf einzugehen. "Was ist eigentlich los, dass sie dich alle abweisen?" fragte ich mich frustriert und verschwand auf die Toilette. Dort schüttete ich mir Wasser ins Gesicht und betrachtete mich eine Weile lang im Spiegel. Es kam mir nicht viel mehr in den Sinn, als mein Spiegelbild zu beschimpfen: "Loser! Du verdammter Loser! Nie kriegst du etwas auf die Reihe!". Während ich noch immer verbal auf mich eindrosch, öffnete sich plötzlich die Türe neben mir und ein Typ trat ein. Er glotze mich zuerst verdutzt an und begann dann leise zu lachen und ging kopfschüttelnd ab. Er hatte wohl Recht.

Als ich wieder nach draussen in den Club zurück trat, war die Scheisse komplett; Pedro küsste in der Zwischenzeit wild mit Lynn herum. Es war ein Tiefschlag sondergleichen. Ich hielt es nicht mehr aus und ging nach Hause. Der Frust war einfach zu gross.

Kommentare:

  1. trau dich! ich versteh nicht, warum dein selbstbewusstsein so schwach ist. du siehst verdammt gut aus und scheinst mehr charakter zu haben, als die meisten in deinem alter zusammen!

    du hast nichts zu verlieren und glaube mir, wirst abartig spass haben, wenn du einfach mal drauf los gehst, ohne irgendwelchi erwartungen!

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  2. ich finde, du hast einen fantastischen schreibstil, den man leider nur selten bei bloggern findet. es macht so viel spaß, deine texte zu lesen und man freut sich über jeden neuen und ist gespannt, wie's weiter geht.

    ansonsten kann ich mich coquinette nur anschließen: hab etwas mehr vertrauen in dich selbst!

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  3. ..und ich bin nun die dritte die dir sagt dass du mehr vertrauen in dich haben solltest. :)
    weißt du, es gibt jungs die richtige arschlöcher sind. die grundlos selbstbewusst sind. und du bist kein arschloch. keine ahnung wie ich das formulieren soll, aber glaub an dich, ok?
    und ein loser bist du ganz bestimmt nicht.

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  4. hallo unbekannterweise.. :)

    ich bin mehr oder wneiger zufällig hier gelandet und hab -leider bisher nur- überflogen, was du hier so postest.. :)
    finde deinen schreibstil sehr ansprechend, und werd dich mal verfolgen.. :)

    hoffe, dass ich bakd gelegenheit finde, mal in ruhe ein bisschen zu lesen :)

    liebe grüße, myri

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  5. Herzlichen Dank für eure lieben und aufmunternden Kommentare! Die bedeuten mir wirklich immer sehr viel :)

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