Samstag, 31. Juli 2010

Achtundzwanzigster Eintrag

Nachdem uns klar geworden ist, dass wir hier auf dem Trockenen sitzen und kein weiteres Geld mehr abheben werden können, sassen wir uns zum Hafenbecken runter und besprachen das weitere Vorgehen. Mick und Pedro riefen ihren Eltern an und diese boten uns an, weiteres Geld zu überweisen. Unsere Euphorie über dieses Angebot hielt allerdings nicht lange, als wir erfuhren, dass es gut zwei Tage dauern wird, bis das Geld hier ankommen würde. Das war zu lange. Wir wollten nach Hause. Insbesondere Mick schien das alles langsam aber sicher recht auf die Nieren zu gehen. So beschlossen wir aufzubrechen.
Es kam dann in etwa so, wie wir es uns gedacht hatten; von den 300 Euro, die wir noch hatten, mussten wir knapp 200 für den Aufenthalt auf dem Campingplatz hinblättern. Blieben also noch etwas mehr als 100 übrig. Ob das reichen würde? Keine Ahnung! Wir mussten es einfach irgendwie bis nach Chiasso schaffen. Dort würden wir dann an einem Bankomaten wieder Geld abheben und auftanken können.

Wir beschlossen deshalb, möglichst benzinsparend zu fahren und möglichst viel Ballast abzuwerfen. Auf einem leeren Parkfeld unweit der Hauptstrasse nach Porec entsorgten wir Pfannen, Geschirr, leere Flaschen und auch die inzwischen leere Propangasflache, die sich unter dem Herd befand. Ob das was brachte, wussten wir nicht. Aber immerhin gab es uns ein gutes Gefühl, das Gefühl alles nur Mögliche versucht zu haben.

Dann fuhren wir also nach Hause. Mick und Pedro abwechselnd am Steuer und ich hinten. Ich bin der Einzige von uns, der bisher noch keinen Führerschein besitzt. So döste ich noch ein wenig vor mich hin - so gut das halt ging auf diesen holprigen Strassen.
Auf der Höhe von Triest mussten wir einen ersten Halt einlegen, denn das Benzin ging zum ersten Mal zu Neige. Auf einer Autobahnraststätte kauften wir uns je zwei Bananen, ein Stück Brot und Wasser; das musste für heute reichen. Mit dem verbliebenen Geld tankten wir so viel es nur ging. Immerhin hatten wir nun einen fast ganz vollen Tank und es stellte sich nun bloss noch die grosse Frage, ob das reichen würde. Bevor wir wieder losfuhren, rauchten wir noch eine Zigarette. Wir sassen da auf dem Boden vor unserem Camper und rauchten schweigend vor uns hin. Die Stimmung war deswegen aber keineswegs bedrückend, sondern viel eher war da eine merkwürdige Verbundenheit zwischen uns, wie mir schien. Es war eine leichte Anspannung gepaart mit gesunder Aufregung. Ist dies in etwa das, was man als ein Abenteuer bezeichnet? Womöglich.

Wir stiegen wieder in unseren Camper und fuhren abermals los. Mal ging es flott voran und mal, meist vor Mautstellen, hatte uns der Stau fest im Griff. Und dazwischen folgten immer wieder misstrauische Blicke auf die Benzinanzeige und die Entfernungsangaben auf den Autobahnschildern. Irgendwann kam Mick auf die Idee, dieses dämliche Lied "Gasolina" in den IPod zu schmeissen und dazu "wir haben kein Benzin mehr, ja wir haben bald kein Benzin mehr" zu singen. Nun, das nennt man dann wohl Galgenhumor.
Kurz vor Mailand begann sich die Sonne langsam zu senken. Es war in der Zwischenzeit halb neun. Wir fuhren und fuhren, vorbei an Mailands hässlichem Industriegürtel, vorbei an Mailands hässlicher Vorstadt und vorbei an Mailands hässlicher Innenstadt. Irgendwann hatten wir Mailand hinter uns gelassen und atmeten zum ersten Mal ein wenig auf, als wir feststellten, dass es nur noch rund 40 Kilometer nach Chiasso sind. Aber nur schon wenige Kilometer später fiel die Benzinanzeige auf 0 und unsere Hoffnung, dass wir es trotzdem schaffen würden, wurde nicht wesentlich grösser, als dann auch noch das Benzinkontrolllämpchen zu leuchten begann.

Pedro holte daraufhin die Betriebsanleitung des Campers hervor und begann wie wild darin herumzublättern.

"Noch 21 Kilometer bis Chiasso, oder?"
"---"
"Mick verdammt, wie viel Kilometer noch bis Chiasso? Was stand auf dieser Tafel vorhin?"
"Ja ich glaube es waren 21 Kilometer"
"Es könnte reichen. Die meinen hier, dass die Reserve für 30 Kilometer reichen würde. Geh runter vom Gas Mick, fahr nur 80. Nicht 100. Jeder einzelne scheiss Tropfen Sprit zählt jetzt!"
"Ok..."

Wir zählten die Kilometer und es schien fast so, als würden die Kilometer sich von Minute zu Minute mehr und mehr strecken.

Noch 17 Km...
noch 13 Km...
noch 10 Km...
noch 7 Km...
noch 3 Km...

Und dann plötzlich tauchte der Zoll auf. Die Luft in unserem Bus schien elektrisch geladen zu sein, aber doch sagte niemand ein Schweigenswort. Aber dann, als der Zöllner uns durchgewunken hatte und wir gleich nach dem Zoll eine Tankstelle vorfanden, ging ein riesen Aufschrei durch den Camper - wir hatten es geschafft! Wir hatten es praktisch mit dem letzten Tropfen Benzin geschafft!

Daraufhin tankten wir unseren Camper voll und fuhren weiter in Richtung Gotthard in die tiefe Nacht hinein. Dann um 3 Uhr morgens kamen wir schliesslich endlich zu Hause an und gingen alle schlafen - es war ein tiefer und erholsamer Schlaf.

Kommentare:

  1. Noch gut geklappt, freut mich dass nun alle Zuhause sind :)

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  2. hachja, die holprigen, kroatischen straßen.. die hasse ich auch :D
    wir hatten einen wohnwagen hinten dran, und das hat dann alles noch doppelt so viel gewackelt, naja :)

    mh, ihr seid also durch italien gefahren.. mein papa meinte, dass es viel flüssiger gehen würde, wenn man durch slowenien fährt...
    aber naja, das kommt ja auch drauf an, wo du wohnst ;)
    liebe grüße, ammi.

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